HDR-Software Review - Teil 2: Photomatix Pro 4

Nachdem die Voraussetzungen für den Software-Vergleich bereits geklärt wurden, geht's jetzt wirklich mit dem spannenden Teil los: die Bewertung der einzelnen Programme. Als erstes Programm werde ich Photomatix Pro 4 unter die Lupe nehmen. Photomatix war bis jetzt mein bevorzugtes HDR-Program mit dem ich so gut wie alle meine HDRs erzeugt habe. Ich habe daher bei diesem Programm sicher einen gewissen Wissensstand, den ich bei allen anderen Mitstreitern nicht habe. Umso mehr werde ich versuchen alle Kriterien so objektiv wie möglich in Angriff zu nehmen.

1.) Allgemeines

Hersteller: HDRSoft Programmversion: 4.0.2 (64 Bit Version) Betriebssystem(e): Windows, Mac Link: http://www.hdrsoft.com

Für jene die Photomatix selbst noch nicht kennen bzw. verwendet haben, gibt es vorab gleich ein paar Screenshots um euch das Look & Feel etwas näher zu bringen:

Zu erwähnen ist auch noch, das Photomatix 2 verschiedene Möglichkeiten des Tonemappings anbietet: den Detail Enhancer und den Tone Compressor. Im Folgenden werde ich mich - sofern nich explizit angegeben - auf den Detail Enhancer beschränken. Ebenfalls nicht berücksichtigt wird die Exposure Fusion.

2.) Performance

Photomatix bietet in der Version die ich verwende (Pro 4) neben der Standalone-Variante auch ein entsprechendes Plugin für Lightroom. Für die Performance-Tests habe ich die Standalone-Variante gestartet und die jeweilig benötigten Zeiten notiert.

Aktion Testbild1 Testbild2 Testbild3 Durchschnitt
Laden bis zum Tonemapping (mit Ausrichten) 32,7 sek 13,0 sek 13,2 sek 19,6 sek
Speichern des Ergebnisses 42,3 sek 13,1 sek 12,7 sek 22,7 sek
Summe 75 sek 26,1 sek 25,9 sek 42,3 sek

Ein weiteres Kriterium war die Aktualisierung der Vorschau. Hier hat sich herausgestellt, dass es je nach ausgeführter Aktion nur geringe Unterschiede gibt. Generell war die Vorschau innerhalb von max. 5 Sekunden aktualisiert und hat sich somit als nicht störend herausgestellt.

3.) Zusatzfunktionen

Ghosting Reduzierung

Photomatix biete inzwischen zwei Verschiedene Verfahren zur Ghosting-Reduzierung:

  1. Automatische Reduzierung Photomatix regelt alles von selbst, man muss praktisch nichts dazu beisteuern. Man kann maximal die Ghosting-Erkennungsstufe einstellen. Beim Ghosting-Testbild (Bild 2) hat die automatische Reduzierung einwandfrei funktioniert.
  2. Halbautomatische Reduzierung Die standardmäßig empfohlene Einstellung für die Ghosting Reduzierung ist die halbautomatisch Reduzierung. Dabei hat man in einem weiteren Schritt die Möglichkeit jene Bereiche auszuwählen, die vom Ghosting betroffen sind. Die Entfernung regelt dann Photomatix wieder ganz alleine. Beim Testbild hat auch die halbautomatische Reduzierung sehr gut funktioniert und ein einwandfreies Ergebnis geliefert.

Ausrichtung der Bilder

Da ich einen Großteil meiner HDRs ohne Stativ mache, ist die Ausrichtung der Bilder für mich von durchaus großer Bedeutung. Das Problem bei diesem Kriterium war allerdings die Messbarkeit des Erfolgs. Generell werde ich daher in erster Line bewerten ob eine Funktion zur Ausrichtung vorhanden ist bzw. ob diese automatisch funktioniert oder auch manuell eingegriffen werden kann.

In Photomatix gibt es eine Funktion zur Ausrichtung der Quellbilder. Man kann zwischen zwei Methoden wählen:

  • Horizontale und vertikale Verschiebung
  • Ausrichtung durch Merkmalerkennung

Eine manuelle Eingreifmöglichkeit bietet Photomatix nicht - hat mich alldings bis jetzt auch nur selten gestört. Bei den ausgewählten Testbildern waren die Ergebnisse der automatischen Ausrichtemethoden auf jeden Fall sehr gut.

Vorlagen/Presets

Anzahl der Presets

Hier hat Photomatix in den letzten Programmupdates sicherlich sehr stark nachgebessert. Es gibt mittlerweile 12 Presets die standardmäßig angeboten werden. Zusätzlich dazu können eigene Vorlagen gespeichert und bei Bedarf wieder geladen werden.

Qualität der Presets

Über die Qualität der Presets lässt sich sicher streiten. Es hängt auch sehr stark von den eigenen Vorliegen ab, ob man in der zur Verfügung gestellten Auswahl etwas Brauchbares findet. Photomatix hat hier denke ich einen guten Mittelweg gefunden: die Presets sind überschaubar und bieten durchwegs eine gute Ausgangsbasis für das Tonemapping. Dreht man dann selbst noch ein wenig an den Schiebereglern heraum, bekommt man relativ rasch das angestrebte Ergebnis.

4.) Benutzeroberfläche

Aufruf aus Host-Programm

Ein wichtiges Kriterium ist für mich, ob es eine direkte Schnittstelle zwischen meinen bevorzugten Bildbearbeitungsprogrammen (Host-Programmen) und dem HDR-Programm gibt. In erster Linie spreche ich hier natürlich von Lightroom. Ist man erst einmal auf den Genuss einer automatischen Exportfunktionalität gekommen, möchte man ihn auch nicht mehr missen -  ich spare damit einfach Zeit und Ärger.

Photomatix enttäuscht hier zum Glück nicht - es gibt eine solche Exportfunktion für Lightroom (und auch für Photoshop und Aperture), die bei der Installation gleich mitgeliefert wird. Man hat damit die Möglichkeit, eine Belichtungsreihe in LR zu markieren und per Mausklick an Photomatix zu senden. Vorab kann man die wichtigsten Parameter (Ausrichtung, Ghosting, Noise Reduction, Ausgabeformat) festlegen, der Rest läuft dann schon automatisch ab. Das fertige getonemappte Bild wird dann auch wieder in LR importiert und kann dann dem letzten Feinschliff unterzogen werden. Alles in allem also eine recht runde Sache!

Übersichtlichkeit/Intuitivität

Die Benutzeroberfläche von Photomatix teilt sich grob gesagt in zwei Bereiche: den Einstellungsbereich und den Vorschaubereich. Der Einstellungsbereich schaut je nach gewählter Tonemapping-Methode unterschiedlich aus. Im Prinzip gibt es aber immer mehrere Schieberegler oder Buttons mit denen man des jeweiligen Parameter ändern kann. Die Auswirkungen einer solchen Änderung sind dann nach einer kurzen Verzögerung im Vorschaubereich sichtbar. Hört sich recht einfach an und ist es zum Teil auch. Nachteilig machen sich z.B. beim Detail Enhancer nur die Anzahl der Schieberegler bemerkbar. Hier verliert man am Beginn doch leicht die Übersicht bzw. braucht man etwas länger, um die Funktion eines jeden Reglers herauszufinden.

Einstellmöglichkeiten

Wie bereits erwähnt, Photomatix bietet sehr viele Möglichkeiten das Tonemapping zu Beeinflussen. Das kann zum einen ein riesen Vorteil sein, zum anderen macht es Photomatix für mich zu einer "Fortgeschrittenen-Software". Anfänger haben hier (zumindest am Beginn) sicher Probleme sich schnell zurecht zu finden. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase weiß man die zur Verfügung gestellten Möglichkeiten dann aber sehr zu schätzen.

5.) Hilfe, Tutorials, etc.

Hilfen, Tutorial und FAQs zu Photomatix sind wirklich reichlich vorhanden. HDRSoft bietet zum einem selbst einige Ressourcen auf der Website an (Videos, FAQs), zum anderen findet man nach kurzer Suche auch sehr sehr viele andere Quellen für Tutorials.

6.) Preis

Von USD 39,- (Photomatix Light ) bis USD 119,- (Pro Plus Bundle).

Für Interessierte gibt's auch einen Coupon Code von Stuckincustoms mit dem man 15% sparen kann: Photomatix Coupon Code

7.) Zusammenfassung

Hier werde ich alle bis jetzt gehörten Punkte nochmals zusammenfassen und schließlich mit Punkten bewerten. Warum wieviele Punkte gegeben wurden, sollte aus den bereits Gelesenem hervorgehen. Falls ich bei der Bewertung bzw. generell etwas übersehen oder nicht berücksichtigt habe, bin ich für jede konstruktive Kritik dankbar!

Pluspunkte + Ghosting-Reduzierung (automatisch und halbautomatisch) + Integration in Lightroom + Einstellmöglichkeiten beim Tonemapping + Große Community bzw. viele Quellen im Internet

Minuspunkte - Performance könnte besser sein - Bei den Presets wurde zwar nachgebessert, es ist aber noch Platz nach oben - Preis: über 100 USD sind für ein reines HDR-Programm nicht ganz wenig

Testbilder

Zum Abschluss zeige ich noch die Ergebnisse der drei verwendeten Testbilder. Es handelt sich bei allen drei Bildern um das direkte Ergebnis auf Photomatix - also ohne jede weitere Bearbeitung.

Bewertung

(pro Punkt max. 10 Punkte, insgesamt max. 90 Punkte)

Performance 6 Punkte
Zusatzfunktionen
Ghosting 10 Punkte
Ausrichtung 8 Punkte
Presets 6 Punkte
Benutzeroberfläche
Aufruf aus Host-Programm 10 Punkte
Übersichtlichkeit/Intuivität 8 Punkte
Einstellmöglichkeiten 9 Punkte
Hilfen, Tutorials etc. 9 Punkte
Preis 5 Punkte
Ergebnis 71 Punkte

Photomatix Pro 4 erreicht somit 71 von 90 Punkten in meiner Bewertung. Was das wert ist, werden wir schon bei den nächsten Konkurrenten sehen.

Die nächste Bewertung gibt's von HDR Efex Pro!