HDR-Software Review - Teil 5: FDRTools

Nachdem der letzte Beitrag dieser Serie leider etwas kurz ausgefallen ist, gibt's heute wieder die volle Ladung!  :-) Am Start steht heute FDRTools - ein mir komplett neues HDR-Programm mit dem ich bis jetzt so gut wie gar nicht in Berührung gekommen bin. Ich hab mich auch schon richtig darauf gefreut mal was komplett neues auszuprobieren und meine Erkenntnisse festzuhalten. Also, in dem Sinne - los gehts!

1.) Allgemeines

Hersteller: AGS Technik, Andreas SchömannFDRTools Programmversion: FDRTools Advanced 2.3.2 Betriebssystem(e): Windows, Mac Link: http://www.fdrtools.com/

Ich habe mir für meine Tests die Advanced-Version von FDRTools heruntergeladen. Wie ich der Dokumentation entnehmen konnte, besteht der Unterschied zur frei erhältlichen Basic-Version darin, das mehr HDR- und Tonemapping-Module enthalten sind. Details findet ihr in der Produktübersicht.

Am Beginn möchte ich gleich wieder ein paar Screenshots von der Anwendung präsentieren - einfach um jenen die's noch nicht kennen, das Programm etwas näher zu bringen. Zum besseren Verständnis ist vielleicht noch dazu zu sagen, dass FDRTools aus mehreren kleineren Fenstern besteht - was man am ersten Screenshot auch sehen kann.

FDRTools Screenshot

FDRTools Screenshot

FDRTools Screenshot

FDRTools Screenshot

2.) Performance

Die Performancemessungen von FDRTools habe ich zwei Schritten durchführen müssen: Erstens werden die Bilder der Belichtungsreihe in den Editor geladen (Messung 1) und zweitens habe ich dann die automatische Ausrichtung der Bilder durchgeführt (Messung 2). Die Summe dieser beiden Messungen ergab dann die hier eingetragenen Werte:

Aktion Testbild1 Testbild2 Testbild3 Durchschnitt
Laden bis zum Tonemapping (mit Ausrichten) 54,2 sek 18,1 sek 15,5 sek 29,3 sek
Speichern des Ergebnisses 124,4 sek 31,1 sek 73,5 sek 76,3 sek
Summe 178,6 sek 49,2 sek 89 sek 105,6 sek

3.) Zusatzfunktionen

Ghosting Reduzierung

Eine Ghosting Reduzierung wie es sie bei den bisher getesteten Programmen gab, kann FDRTools nicht bieten. Es gibt aber bei einer Methode der HDR-Erstellung (Separation) die Möglichkeit, über die HDR-Erstellung das Ghosting zu unterdrücken. Es gibt hierzu auch eine sehr schöne und genaue Anleitung in der Hilfe von FDRTools: Ghosting Reduzierung mit HDR-Methode Separation.

Ich habe diese Art der Ghosting Reduzierung anhand des Testbild 2 natürlich getestet. Das Ergebnis war zwar nicht berauschend, aber durchaus OK. D.h. es ist tatsächlich möglich, das Ghosting zu reduzieren bzw. ganz verschwinden zu lassen - wenn auch die Art wie man es machen muss etwas kompliziert bzw. umständlich ist.

Ausrichtung der Bilder

Da ich einen Großteil meiner HDRs ohne Stativ mache, ist die Ausrichtung der Bilder für mich von durchaus großer Bedeutung. Das Problem bei diesem Kriterium war allerdings die Messbarkeit des Erfolgs. Generell werde ich daher in erster Line bewerten ob eine Funktion zur Ausrichtung vorhanden ist bzw. ob diese automatisch funktioniert oder auch manuell eingegriffen werden kann.

Hier bietet FDRTools die volle Funktionsbreite an: einen automatischen Abgleich und - sollte der automatische nicht zufriedenstellen - eine manuelle Nachjustierung. Mit Hilfe der Vorschau- bzw. Lupenfunktion kann man die Ergebnisse auch gleich kontrollieren und gegebenenfalls noch weiter anpassen. So habe ich z.B. beim Testbild 1 gesehen, dass die automatische Ausrichtung zwar schon recht gut war, mit einer manuellen Anpassung um 2 Pixel war es dann aber ganz genau.

FDRTools - Ausrichtung der Quellbilder

FDRTools - Ausrichtung der Quellbilder

Vorlagen/Presets

Presets für das Tonemapping bietet FDRTools leider nicht an (der Button "Vorgaben" setzt die Einstellungen lediglich auf die Ausgangswerte zurück).

4.) Benutzeroberfläche

Aufruf aus Host-Programm

Ein wichtiges Kriterium ist für mich, ob es eine direkte Schnittstelle zwischen meinen bevorzugten Bildbearbeitungsprogrammen (Host-Programmen) und dem HDR-Programm gibt. In erster Linie spreche ich hier natürlich von Lightroom. Ist man erst einmal auf den Genuss einer automatischen Exportfunktionalität gekommen, möchte man ihn auch nicht mehr missen - ich spare damit einfach Zeit und Ärger.

Auch hier habe ich keine Möglichkeit gefunden, FDRTools in Lightroom zu integrieren. Es scheint ein Standalone-Programm zu sein, das dementsprechend auch gehandhabt werden muss.

Übersichtlichkeit/Intuitivität

Die erste Umstellung zu den bisher getesteten Programmen war die Aufteilung in mehrere kleine Fenster. Vor allem wenn man bereits andere Programme geöffnet hat, ist das leicht verwirrend, da diese dann im Hintergrund durchscheinen. Hat man dieses "Hindernis" erst mal überwunden, geht es an das Anlegen von Projekten. Die Bezeichnung "Projekt" sollte man hier nicht allzu hoch bewerten, im Prinzip handelt es sich um eine Belichtungsreihe die man bearbeiten möchte. Mit einem weiteren Klick auf den Button "Bearbeite" werden dann die zuvor gewählten Bilder tatsächlich geladen und auch gleich ein HDR-Bild erzeugt. Jetzt stehen mehrere Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Ausrichtung der Bilder
  • Ändern der HDR-Methode
  • Tonemapping

Da ich die Ausrichtung der Bilder betreits beschrieben habe, überspringe ich diesen Punkt. Wie schon kurz erwähnt, stehen in der Advanced-Version gleich mehrere Methoden zur HDR-Erzeugung zur Verfügung: Average, Separation, Creative und xDof. Wie sich diese Methoden unterscheiden, ist in der Hilfe von FDRTool beschrieben:

In der Basic- und Advanced-Variante der FDRTools ist die Methode Average enthalten. Diese erlaubt bei normalen Aufnahmereihen eine gute Entrauschung des entstehenden HDRIs und führt zu qualitativ guten Endergebnissen.

Die Methode Separation (nur Advanced-Version) erlaubt eine sehr gute Entrauschung des HDRIs und führt zu qualitativ optimalen Endergebnissen. Eine Besonderheit dieser Methode ist auch die Möglichkeit sog. Geisterbilder oder Bewegungsunschärfen zu unterdrücken.

Während Average und Separation spezialisiert sind auf die Vereinigung von Belichtungsreihen statisch beleuchteter Szenen, erlaubt die Methode Creative (nur Advanced-Version) das nahtlose Mischen beliebigen Bildmaterials, insbesondere Bilder mit wechselnder Beleuchtung bzgl. Position, Intensität und Spektrum der Lichtquellen. Das Ergebnis des Mischvorgangs lässt sich sehr flexibel steuern. Nähere Informationen zu Creative finden Sie im Kapitel Erstellen von HDR-Bildern.

xDOF (nur Advanced-Version) erlaubt es eine Reihe von unterschiedlich fokussierten Bildern zu einem HDR-Bild mit erweiterter Tiefenschärfe zu vereinigen. xDOF ist eine experimentelle Methode und befindet sich noch in aktiver Entwicklung.

Beim Tonemapping kann man dann ebenfalls zwischen mehreren Verfahren umschalten: Simplex, Receptor oder Compressor. Details zur Arbeitsweise der Funktionen können Sie wieder der FDRTools Hilfe entnehmen. Ich habe alle drei Varianten kurz angetestet. Mit etwas Fingerspitzengefühl bzw. genügend Zeit kann man mit diesen drei Verfahren sehr schöne Bilder erzeugen. Einen Nachteil sehe ich  hier allerdings in der Bedienbarkeit dieser Verfahren.

Zur Intuitivität möchte ich nur anmerken, dass ich vorab die Hilfe von FDRTools durchblättern musste um mich in der Anwendung zurecht zu finden. Da diese aber sehr gut aufgebaut ist, hat sich der zeitliche Aufwand für die Einarbeitung noch in Grenzen gehalten.

Einstellmöglichkeiten

Hier muss man bei FDRTools zwei Bereiche unterscheiden. Erstens die HDR-Erstellung und zweitens das Tonemapping.

Bei den bisher getesteten Programmen gab es keine Auswahl der HDR-Erstellungs Methode. FDRTools bietet das sehrwohl. Bis auf die Ghosting Reduzierung bei der Seperation-Methode konnte ich persönlich allerdings nicht unbedingt nachvollziehen, warum ich diese Auswahl brauche. Vielleicht muss man sich aber auch einfach noch intensiver mit dieser Thematik beschäftigen um wirklich Vorteile daraus ziehen zu können. Ich sehe diese Möglichkeit daher als Pluspunkt von FDRTools.

Beim Tonemapping bietet FDRTools ebenfalls mehrere Verfahren an. Hier vermisse ich allerdings die Bedienungsfreundlichkeit von anderen Tools bzw. sind generell wenig Einstellungsmöglichkeiten vorhanden.

5.) Hilfe, Tutorials, etc.

Aufmerksame Leser haben es sicher schon bemerkt, ich habe bereits des öfteren auf die offizielle Hilfe von FDRTools hingewiesen bzw. auch verlinkt. Für mich als absoluten FDRTools-Neuling war das auch die erste Anlaufstelle bei Unklarheiten und sie bietet auch detailierte Information zu den zur Verfügung gestellten Funktionen. Viel mehr kann man von einer Hilfe meiner Meinung nach nicht erwarten.

6.) Preis

FDRTools gibt es in zwei Varianten:

  • Basic-Version --> FREE
  • Advanced-Verion --> EUR 39

Man hat also die Möglichkeit die Basic-Version frei zu verwenden. Sollte das jemanden nicht reichen, ist die Advanced-Version um EUR 39.- durchaus noch erschwinglich. Details gibts auf der Product & Prices Seite.

7.) Zusammenfassung

Hier werde ich alle bis jetzt gehörten Punkte nochmals zusammenfassen und schließlich mit Punkten bewerten. Warum wieviele Punkte gegeben wurden, sollte aus dem bereits Gelesenem hervorgehen. Falls ich bei der Bewertung bzw. generell etwas übersehen oder nicht berücksichtigt habe, bin ich für jede konstruktive Kritik dankbar!

Pluspunkte + Mehrere Verfahren zur HDR-Erstellung + Manuelle Ausrichtung der Quellbilder möglich + Freie Basic-Version

Minuspunkte - Performance könnte besser sein - Ghosting Reduzierung nur über Umwege möglich - Gewöhnungsbedürftige Programmoberfläche - Vorlagen/Presets nicht vorhanden

Testbilder

Zum Abschluss zeige ich, wie gehabt, die Ergebnisse der drei verwendeten Testbilder. Es handelt sich bei allen drei Bildern um das direkte Ergebnis aus FDRTools - also ohne jede weitere Bearbeitung. (Anmerkung: Die Gitternetzlinien sind auf die nicht freigeschaltene Advanced-Version zurückzuführen)

Testbild 1

Testbild 2

Testbild 3

Bewertung

(pro Punkt max. 10 Punkte, insgesamt max. 90 Punkte)

Performance 3 Punkte
Zusatzfunktionen
Ghosting 3 Punkte
Ausrichtung 9 Punkte
Presets 1 Punkt
Benutzeroberfläche
Aufruf aus Host-Programm 0 Punkte
Übersichtlichkeit/Intuivität 5 Punkte
Einstellmöglichkeiten 6 Punkte
Hilfen, Tutorials etc. 9 Punkte
Preis 8 Punkte
Ergebnis 44 Punkte

FDRTools erreicht somit 44 von 90 Punkten in meiner Bewertung und liegt somit hinter Phtotomatix Pro 4 das mit 71 Punkten die Spitzenposition weiter für sich beansprucht.

Die nächste Bewertung gibt's von Picturenaut!

FDRTools Advanced